Geistvolles Treppenhausgeplänkel

 

Drei Männer erobern die Zimmerbühnen-Gäste im Sturm

Musikalische Komödie rund um den Alkohol mit Nebenwirkungen

Eine Mixtur aus Nonsens, Dichtung und philosophischen Betrachtungen

Von Aurelia Scherrer

 Konstanz (as) – Was passiert, wenn sich ein Lehrer wegen eines liebestollen Sängers aus der Wohnung aussperrt und ein schauspielender Nachbar hinzukommt? Irrwitzige und urkomische Treppenhausgespräche entspinnen sich natürlich, welche die drei unterschiedlichen Männer zu „Freunden im Trunke“ vereint – zumindest wenn Norbert Heizmann, Notker Homburger und Bernd Wengert alle Register ziehen. In der lauschigen Zimmerbühne boten sie jedenfalls mit „Drei Männer, der Durst und Renate – oder: „cezweihafünfoha“ einen spritzigen Cocktail mit den Hauptbestandteilen Schauspiel, Drama Komödie, Gesang und der puren Lust an der Bühnendarstellung, welche die Zuschauer zu Lachsalven und Begeisterungsstürmen hinriss.

Cezweihafünfoha“, sprich Alkohol, darum geht es in der urkomisch dargebotenen Geschichte, die eigentlich ganz harmlos beginnt. Der liebeskranke Manni (Notker Homburger) bietet dem Oberstudienrat Lars Lampe (Norbert Heizmann) zur nächtlichen Versöhnung im Treppenaus einen Schluck eines geistreichen Getränks an. „Ich als Pädagoge trinke grundsätzlich nicht“, empört sich dieser bezugnehmend auf seine Vorbildfunktion, was per se die kundigen Zuschauer zum Losprusten bringt. Logisch und nachvollziehbar hingegen, dass Lehrer Lampe in den Keller eilt, um Nachschub zu holen – Alkoholika die er der Klasse 8c bei der letzten Klassenfahrt abgenommen hat. „Wir trinken aus lehrerpädagogischen Gründen! Lasst uns Schnapsflaschen zu Schulbüchern schmieden“, postuliert er sodann.

Doch keineswegs handelt es sich bei „Drei Männer, der Durst und Renate“ um ein plattes Lustspiel. Im Gegenteil: Schließlich deklamiert Schauspieler Schmöll (Bernd Wengert) brillant aus Brechts „Herr Puntila und sein Knecht“ und erklärt der „sinnlosen Nüchternheit“ eine klare Absage. Mehr noch: Die drei Männer erinnern an Philosophen, Dichter und Denker von der Antike bis heute, darunter Ovid, Homer, Hesse, Hemingway, und stellen mit Fug und Recht fest: „So manches Drama und Gedicht gäb‘ es ohne Schnäpse nicht.“ Doch nicht nur der wesentliche Beitrag des Alkohols für die Kultur wurde beispielhaft dargelegt, sondern auch die wichtige Rolle in der Politik, denn nur durch das „unter-den-Tisch-trinken“ habe sich Österreich der russischen Besatzer entledigen können. Zudem stellen sie bemerkenswerte, wissenschaftliche Thesen auf: „Alkohol ist mit dem Urknall entstanden… Das hat fast eine religiöse Dimension“, formulieren sie, um letztlich zu konstatieren, bei „cezweihafünfoha“ handle es sich gar um die „Gottesformel“.

Aberwitzige Szenen fügen sich charmant in die eloquenten Exkurse ein, beispielsweise wenn das Hinsetzen beim WC-Besuch eingefordert wird und der Mann opponiert: „Hinsetzen? Den letzten Rest von Würde nimmt man uns!“ Aber egal: „Ich sehe die Dinge nüchtern: Wenn man nicht trinkt, wird man nicht für voll genommen.“ Der skurril-geniale Abend wird zudem durch Musik und Gesang bereichert und gipfelt letztlich in einem begeisterten Schlussapplaus und einer Zugabe.

SÜDKURIER, 12.08.2017

Konstanzer Anzeiger vom 28. Juni 2017

Südkurier Juni 2012
Südkurier Juni 2012

Zimmerbühne in der Niederburg

St. Johanngasse 2      

78462 Konstanz

Foto: Ebi Kern
Foto: Ebi Kern

"Seesisters and Brothers" (Juni 2017)

Foto: Helmut Bär